David Not Jacob

Ein Blog über Reisen,
Fotografie, Design und Persönliches
von David Jacob

Athen

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Ende Februar flog ich für vier Tage nach Athen. Ich war zu einer Konferenz eingeladen, um über workeer zu sprechen. Und wenn man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann, warum sollte man es dann nicht tun?

Da ich schon Donnerstag Vormittag ankam und erst Sonntag Abend wieder abflog, die Konferenz aber nur am Freitag und Samstag stattfand, hatte ich auch genügend Zeit die Stadt ein bisschen kennenzulernen. Zusammen mit den sehr sympathischen Vertretern anderer Initiativen, wie z.B. Über den Tellerrand, Flüchtlinge Willkommen, Cucula, Kiron, usw. guckte ich mir natürlich ein paar der touristischen Highlights an. Oft schlenderten wir aber auch einfach durch interessante Viertel und ließen die Stimmung auf uns wirken.

Im Großen und Ganzen war diese eigentlich gar nicht die krisengeschüttelte, die man vielleicht erwarten würde, wenn man die Nachrichtenlage der letzten Jahre rund um Griechenland betrachtet.

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Einen Vormittag lief ich mit Alice von Kiron durch die Innenstadt, als ich gerade den Gedanken hatte, dass Athen mich an eine Serie aus meiner Kindheit erinnerte. Alle Erwachsenen waren durch einen Virus gestorben, sodass nur noch die Kinder in eine postapokalyptischen Welt lebten. Just in diesem Moment fragte mich Alice, ob ich mich noch an «The Tribe» erinnern würde. Sie hatte genau den gleichen Gedanken gehabt und kannte sogar noch den Namen der Serie. Athen hat in manchen Ecken durchaus eine ähnliche Atmosphäre versprüht.

(«The Tribe» war eine meine absoluten Lieblingsserien damals. Bin ich damit alleine?)

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Die Konferenz. Das war vielleicht was. Alles war vorbereitet, es waren tolle Initiativen aus ganz Europa, Syrien und anderswo eingeladen und angereist, nur eine Sache hatte man scheinbar vergessen. Die Öffentlichkeit über die Veranstaltung zu informieren. Und so kam es, dass wir dort im Prinzip eine Konferenz für uns selbst veranstalteten. Das war noch nicht mal so dramatisch, da es natürlich spannend war mit all den anderen tollen Menschen mal persönlich ins Gespräch zu kommen und mehr über die Projekte zu erfahren, aber ein paar Gäste hätten sicher nicht geschadet. So viele wertvolle Inhalte, die niemanden außerhalb dieses Kreises erreicht haben. Schade.

Ein wenig Grotesk war es natürlich zusätzlich auf der Bühne zu sitzen und zu einem Publikum zu sprechen, mit dem man sich am Abend vorher beim Abendessen schon in kleinsten Details über seine Projekte ausgetauscht hatte.

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Zum erweiterten Rahmen der Konferenz gehörte eine Ausstellung zum Thema Flucht, die sehr ergreifend und anspruchsvoll umgesetzt wurde. In den Räumen eines verlassenen Hotels wurden unterschiedliche Situation im Kontext des Flüchtens aufgegriffen und erlebbar gemacht. Vieles war fotografisch nicht leicht einzufangen. Die Zeichnungen von kleinen Kindern, die die Flucht mit ihren Familien und den Krieg zuvor miterlebten, ließen sich jedoch dokumentieren und zu gehörten zu den eindrücklichsten Ausstellungsstücken.

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Am Sonntag fuhren wir vormittags zum Hafen und bekamen noch mal ganz direkt vor Augen geführt, wie die aktuelle Lage der Geflüchteten in Griechenland in der Praxis aussieht. Am Hafen, am Bahnhof und in den Zügen in Richtung Hafen waren die Flüchtlingsfamilien nicht zu übersehen. Mir setzte das irgendwie unerwartet stark zu. Im Zug saß uns eine afghanische Familie gegenüber. Voll bepackt und mit Kindern. Die Kinder waren die absolut süßesten Stöpsel, die man sich vorstellen konnte.

Die Ungerechtigkeit dieser Situation war erdrückend. Wir wollten uns noch etwas am Strand erholen, bevor wir ins Flugzeug steigen würden, um noch am selben Abend nach Berlin zurückzukehren. Diese Familie dagegen hat vermutlich noch einen wochenlangen strapaziösen Weg vor sich, bevor sie hoffentlich so etwas, wie eine neue Heimat finden. Wenn es denn überhaupt gelingt und sie nicht gerade in Idomeni an der mazedonischen Grenze im Schlamm feststecken. Man fragt sich einfach nur womit man diesen Luxus verdient hat, eine andere Familie nicht und warum es solch eine Ungerechtigkeit geben kann. Im Umkehrschluss, war dieses Erlebnis natürlich noch ein weiterer Motivationsschub workeer weiterzuführen und einen kleinen positiven Beitrag in der aktuellen Situation zu leisten.

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Den Abschluss unseres Aufenthalts stellte das Erklimmen des Mount Lycabettus dar, von dem man einen herrlichen Blick über ganz Athen und vor allem auf die Akropolis hat. Auf dem Rückweg liefen wir dann zufällig durch einen Park in der Innenstadt, der offensichtlich der absolute Heroinspot Athens ist. Unglaubliche Szenen, wie sich die Leute dort am helllichten Tag ihren Schuss setzen.

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Veröffentlicht am 13. March 2016 in Persönlich, Reisen   |   , , , ,