David Not Jacob

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von David Jacob

Feminismus(kritik) als Mann: Es ist kompliziert

Puh, diesen Blog Eintrag zu schreiben wird eine Herausforderung.
Wir müssen mal über Feminismus sprechen und das ist nicht so leicht.

Vorweg 1-2 Dinge zu mir: Ich bin 27, weiß, männlich, gebürtiger Berliner und in einem, in allen Belangen, ziemlich sorgenfreien Haushalt aufgewachsen. Ich bin also maximal privilegiert und mir dessen auch bewusst. Gesellschaftspolitisch bin ich meiner Einschätzung nach so liberal eingestellt, wie man es eigentlich nur sein kann. Ich würde es so runterbrechen, dass jeder und jede in unserer Gesellschaft, die gleichen Chancen und Rechte haben sollte und tun und lassen kann was er oder sie möchte. Mit der einzigen Einschränkung, dass dabei keinem und keiner Dritten Schaden zugefügt wird. Das gilt für Geflüchtete (deshalb habe ich ja auch mit Philipp zusammen Workeer gestartet), für Frauen, für Behinderte, für Deutsche, für Schwarze, für Weiße, für alle eben. Ich bin davon überzeugt, dass am Ende des Tages unsere Gesellschaft, in der wir hier zusammenleben, und damit jeder einzelne von uns, davon profitiert. Daraus resultiert für mich auch ganz logisch, dass ich mich als Feminist bezeichnen würde. Um Missverständnisse zu vermeiden, hier mal die Definition was Feminismus bedeutet von Wikipedia:

Feminismus (abgeleitet von lateinisch femina Frau und -ismus über französisch féminisme) ist ein Oberbegriff für geistige, gesellschaftliche, politische, religiöse und akademische Strömungen und soziale Bewegungen, die auf der kritischen Analyse von Geschlechterordnungen (männliche Privilegien, weibliche Unterordnung) basieren, für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen sowie gegen Sexismus eintreten und diese Ziele mithilfe entsprechender Maßnahmen umzusetzen versuchen. Daneben verweist Feminismus auf politische Theorien, die – über einzelne Anliegen hinaus – die Gesamtheit gesellschaftlicher Verhältnisse, einen grundlegenden Wandel der sozialen und symbolischen Ordnung und der Geschlechterverhältnisse im Blick haben. Gleichzeitig erlauben sie Deutungen und Argumente zur Gesellschaftskritik.


Jetzt habe ich schon viel über mich geschrieben, dabei soll es ja eigentlich um Feminismus gehen. Ich finde diese Einordnung aus folgendem Grund wichtig: Ein Argument, welches Männer wie ich von Frauen häufig zu hören bekommen, wenn man über Feminismus diskutiert ist, dass man sich als eben solcher weißer Mann ja überhaupt nicht in Frauen, deren Erfahrungen, etc. hineinversetzen kann. Und das ist natürlich vollkommen richtig. Ich finde aber nicht, dass dadurch automatisch meine Position zum Thema delegitimiert oder unwichtig ist. Häufig passiert aber genau das und es fällt der Begriff des #Mansplaining, wenn sich Männer (sachlich-kritisch) zum Thema äußern. Ich finde das äußerst merkwürdig, schließlich verlieren ja z.B. auch nicht die Meinungen von Deutschen zur Asylpolitik ihre Berechtigung, weil sie #Deutschsplaining betreiben. (Davon abgesehen, würde es der Debatte zu diesem Thema, sicher nicht schaden, wenn Geflüchtete öfter zu Wort kämen.) Ich glaube es würde helfen, wenn diese Grabenkampfmentalität von Frauen vs. Männer ad acta gelegt würde. Denn es ist eigentlich Feministen vs. Nicht-Feministen/Sexisten/etc. Und letztere Seite schließt ja auch genug Frauen ein.

Worauf ich also unter anderem hinaus will ist, dass es aktuell sehr schwierig ist sich in meiner Position für Feminismus einzusetzen, WENN es denn einschließt, dass man in einer sachlichen, gegebenenfalls kritischen Art und Weise an der Debatte dazu teilnimmt. Warum denke ich, dass es im Sinne der Bewegung ist, wenn ich weißer Mann etwas zum Feminismus sage, obwohl ich wie gerade erwähnt ja gar nicht nachvollziehen kann, wie es ist 2018 eine Frau in Deutschland zu sein. Genau deshalb. Weil ich einen ganz anderen Blickwinkel auf das Thema nachvollziehen kann. Den von anderen weißen Männern, die sehr sorgenfrei in Berlin aufgewachsen sind und mit denen ich zur Schule gegangen bin und im Fußballverein gespielt habe zum Beispiel. Denn wenn es in der Gesellschaft zu Veränderungen im Sinne des Feminismus kommen soll, dann wird es sicher helfen, diese auf unsere Seite zu bekommen. Und genau das versuche ich in Diskussionen im Freundeskreis, auf der Arbeit, im Fußballverein oder wo auch immer es ein Thema sein sollte.

Und jetzt, nach dieser Einleitung epischer Länge, möchte ich zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags kommen. Nachdem ich es mir sehr lange verkniffen habe, mich öffentlich in sozialen Medien beim Thema Feminismus einzumischen, habe ich es diese Woche doch getan. Meine Befürchtung war, dass ich obwohl ich auf der feministischen Seite stehe, von genau dieser Seite eins auf die Fresse bekomme. Und was ist passiert … ich habe auf die Fresse bekommen. Und ich finde es einfach nur bescheuert.

Was ist passiert? Am Montag Abend vergangener Woche startete die neue Latenight Show von Klaas Heufer-Umlauf „Latenight Berlin“. Wie so oft bei Premieren von Latenight Shows war alles noch recht hölzern und die Ausgabe im Grunde schnell zu vergessen. Auf Twitter wurde die Show aber natürlich wieder rege kommentiert und es fand sich dort auch diese Meinung von Giulia Becker aka @hashcrap, ihres Zeichens Autorin bei der Bild und Tonfabrik/Neo Magazin Royale, zur Sendung:

Ich fand diesen Kommentar inhaltlich daneben und in seiner Art so stumpf, dass er für mich symptomatisch für eine feministische Kritik stand, die den Zielen des Feminismus zuwiderläuft. Die Geschlechter-Zusammenstellung einer Band, die sich wahrscheinlich über die Jahre hinweg aus Freundschaften ergeben hat und auch einfach etwas persönliches ist, kann meiner Meinung einfach kein Kritikpunkt sein. Zumal es sich um Klaas’ Band Gloria handelt, mit der er nun schon seit einigen Jahren zusammenarbeitet. Was ist hier bitte schön der Verbesserungsvorschlag. Klaas darf nicht mit seiner eigenen Band zusammenarbeiten? 3 Bandmitglieder müssen für die Show entlassen werden und durch weibliche Bandmitglieder ersetzt werden? Es macht für mich einfach keinen Sinn und ist schlichtweg unkonstruktiv. Das führt natürlich nicht dazu, dass andere konstruktive Kritik besser ankommt.
Und es ist ja nicht so, dass es keine konstruktiven Kritikpunkte gab, die zum Teil auch geäußert wurden: Muss es wirklich wieder ein männlicher Latenight Host sein, wo es schon unendlich viele davon vorher gab? Kann man bei den eingeladenen Gästen und Musik Acts auf ein ausgeglichenes Verhältnis achten?

Naja, ich retweetete jedenfalls den ersten Tweet und fügte meine Meinung an.

Natürlich kann man was dieses Thema angeht auch anderer Meinung sein und dann kann man das genauso äußern und darüber zivilisiert diskutieren. Ooooder man antwortet so:

Und wow kam die Antwort gut an, so schlagfertig, so messerscharf. 66 Likes nach heutigem Stand.
Das war aber nicht alles, denn es gab noch mehr konstruktive Antworten von anderen Nutzerinnen.

Naja, ich hatte ungefähr das erwartet. Nicht umsonst habe ich es mir selbst sehr lange erspart mich aktiv zu diesem Thema zu äußern.

Und damit wird es wirklich absurd. Denn ab jetzt werden Dinge absichtlich falsch interpretiert, um die eigene Argumentation aufrecht zu erhalten. Obwohl falsch interpretiert zu kurz greift. Denn wo bitte sage ich, dass ich die ursprüngliche Position als 100% irrelevant erachte? Es ist schlichtweg erfunden.

Zwischendurch, dann noch diese wirklich kuriose Einordnung:

Denn wenn hier jemand eine kurze Zündschnur hatte, dann definitiv ich. 🙄

Nun ja, es wurde dann überraschenderweise doch noch annähernd konstruktiv, auch wenn man sich einen sarkastischen Unterton nur schwer verkneifen konnte:

https://twitter.com/Rupertret/status/973491599786364929

Und diese Art der Argumentation kennen wir schon. Wo bitte habe ich in dieser Unterhaltung Frauen als überzogen und lächerlich bezeichnet? Was verspricht man sich von so einer Diskussionskultur?

Eine weitere Antwort gab es nicht mehr.
Schwester Ewald wollte allerdings auch noch eine Erklärung:

Darauf bekam ich dann leider auch keine Antwort mehr, was ich schade finde, da es jetzt eigentlich zum ersten Mal inhaltlich interessant wurde. Schwester Ewald fasste dafür nochmal die Reaktionen auf ihren ursprünglichen Tweet zusammen.

Und ganz ehrlich, so wird das nichts. Keine Frage, in den Antworten auf den ursprünglichen Tweet war auch Müll dabei, aber auch sehr viele ganz normale Antworten von Menschen mit einer anderen Meinung. Und wenn man dann das daraus macht, hat man keine guten Karten andere zu überzeugen. Denn mit so einer Einstellung würde niemand, irgendwo was erreichen. Egal ob Mann oder Frau, egal ob auf Arbeit oder im Sportverein. Und ich finde das fasst es ganz gut zusammen:

Mein Punkt ist also, Männer und Frauen, die für Feminismus kämpfen wären gut darin beraten ihre Streitkultur zu überdenken. Allein das anzusprechen führt aber schon schon zu dem Ergebnis, wie ich es hier erlebt habe. Und es geht mir ausdrücklich nicht darum, dass ich mich hier jetzt in irgendeiner Opferrolle sehe, weil ich als Mann mit fünf lustigen Gifs verarscht wurde. Sondern es geht um unser Ziel einer gerechteren und lebenswerteren Gesellschaft für alle. Und das werden wir auf diese Art und Weise nicht erreichen.

Falls ihr das alles ganz anders seht, freue ich mich über konstruktive, sachliche, kritische Kommentare, damit dann vielleicht genau solch eine Diskussion entstehen kann.

Update: Jetzt wo ich den Artikel gerade posten möchte, bin ich noch auf einen Text von Meike Lobo bei Zeit Online gestoßen. Er trägt den Titel Die feministische Selbstdemontage und beschreibt, was ich im Prinzip auch sagen möchte in viel besseren Worten. Und dann ist Meike Lobo ja auch noch eine Frau. Sehr lesenswert also meiner Meinung nach. → Zum Artikel

Veröffentlicht am 18. March 2018 in Persönlich   |   , , , , ,
    Joram: Ich verstehe, woher Deine Meinung kommt. Ich sehe es aber trotzdem anders.
    Ich finde nicht, dass feministische Frauen sich so ausdrücken müssen, dass sie Männer nicht entzürnen, damit diese mit ihnen laufen. Denn das läuft auf Kompromisse hinaus, die es schon seit Jahrhunderten zum Nachteil der Frauen gibt. Ich finde, es ist egal, was Männer zu dem Thema zu sagen haben, wenn es nicht ist: "Cool, lasst mal den Frauen zuhören und dann danach handeln." Und das sage ich als weißer Mann, dem damit der Mund verboten wäre. Aber was habe ich denn beizutragen? Welche Relevanz hat denn meine Feminismuskritik? Oder Deine? Dein Tweet hat nichts zur Sache beigetragen. Das war Deine Meinung. Kannste haben, ist ok, kannste auch äußern, muss aber nicht auf Gefallen stoßen. Und natürlich läuft das dann auf twitter aus dem Ruder, denn so ist Twitter. So viele Leute haben sich schon unnötig blöd angemacht, weil Twitter keinen guten Diskussionsrahmen bietet. Ich hab schon Frauen gesagt: "Hey, cool wie du das machst" und wurde dafür angemacht. Ich habe die besten Absichten, aber in dem Pfuhl aus Gülle, der Twitter ist, können auch gut gemeinte Ansagen aussehen wie Angriffe oder als wenn ich da die Erlaubnis erteilt hätte, dass diese Frau in dem Fall da Ihr Ding macht. Ärgert mich dann persönlich, aber vielleicht muss man einfach nicht immer was zu allem sagen.
    Und konkret in der Sache: Es ist sehr legitim, die Bandzusammenstellung zu kritisieren. Denn es gibt immer Ausflüchte: Es ist halt Klaases Band, das waren halt die Musiker des Senders, es haben sich ja keine Frauen beworben. Wahre Gründe, die aber nicht auf das Problem eingehen: Warum muss Klaas seine Männerband da hinstellen? Warum hat der Sender keine Musikerinnen? Warum hat die Stelle keine Frauen zur Bewerbung animiert? Deswegen finde ich die Kritik absolut gerechtfertigt. Schwester Ewald hat nicht zum Rausschmiss der Band aufgerufen, sondern nur polemisch dargelegt, dass (mal wieder) eine neue Sendung eine einzige Pimmelparade ist. Und dann kam Dein Tweet und Du hast nur gesagt: "Diese Kritik ist nicht hilfreich." Welche Kritik ist denn hilfreich? Ist Kritik nur dann zulässig, wenn man gleich ein alternatives Sendungskonzept mit anhängt?
    Man hätte da souveräner sein können. Du hättest Dir die "sachlich-kritische Meinungsäußerung" sparen können, und Schwester Ewald hätte souveräner drüber hinweg gehen können. So habt Ihr Euch aufgestachelt, am Ende hatten alle schlechte Laune und im Grunde steht Ihr ja auf der gleichen Seite.
    Und als Meta-Betrachtung: Das ist das Problem der Linken. Wir wollen Dinge ausdiskutieren, alle wollen was beigetragen haben, wir legen großen Wert darauf, die bis ins Detail korrekte Meinung zu haben und grenzen und scharf ab gegen die, die eine andere Auffassung zu dem Thema haben. Währenddessen vereinen sich die rechtsnationalen Lappen hinter dem Banner der AfD oder CSU und marschieren vorwärts.
    Mein Appell: Innerhalb linker Gruppen einfach mal nicht alles kritisieren, wo man im Detail anderer Meinung ist, außer man ist explizit in einer Diskussionsrunde. Nicht jede Öffentlichkeit ist eine Diskussionsrunde, wo Kritik angebracht ist. Und gerade als Mann gilt: Zuhören, mitdenken und weiter zuhören. Wenn wir gefragt oder eingeladen werden, können wir auch was dazu sagen, aber wenn nicht, dann nicht. Wir hatten jetzt ein paar tausend Jahre, in denen wir den Ton angegeben haben, jetzt ist es ok, mal die machen zu lassen, die es betrifft.
      Jaco: „Ich verstehe, woher Deine Meinung kommt. Ich sehe es aber trotzdem anders.“

      Fair enough.


      „Ich finde nicht, dass feministische Frauen sich so ausdrücken müssen, dass sie Männer nicht entzürnen, damit diese mit ihnen laufen.“

      Völlig richtig, dass müssen sie nicht und können sie von mir aus machen wie sie wollen. Ich sage nur "Hey, aus meiner Erfahrung erreicht ihr so nicht das, was ihr erreichen wollt, deswegen würde ich mal über andere Ansätze nachdenken".


      „Ich finde, es ist egal, was Männer zu dem Thema zu sagen haben, wenn es nicht ist: “Cool, lasst mal den Frauen zuhören und dann danach handeln.” Und das sage ich als weißer Mann, dem damit der Mund verboten wäre. Aber was habe ich denn beizutragen? Welche Relevanz hat denn meine Feminismuskritik? Oder Deine? Dein Tweet hat nichts zur Sache beigetragen. Das war Deine Meinung. Kannste haben, ist ok, kannste auch äußern, muss aber nicht auf Gefallen stoßen.“

      Und den Punkt sehe ich komplett anders. Ich habe auch mit einer ehemaligen Kollegin über das Thema bzw. über meinen Post diskutiert und sie sagte neben vielem kritischen auch das hier: "It’s not on women to dismantle patriarchy, it’s not an black people to dismantle racism. It’s never the oppressed party’s responsibility to take down the structures of their own oppression, that’s not possible.
      White people have to end racism, men have to end sexism. Period.
      You as a man have a much better platform to engage other men than we do as women. Use that in stead."
      Und das sehe ich 100% genauso und genau deshalb ist es sinnvoll und notwendig, dass man als Mann auch an dieser Debatte teilnimmt.


      „Und konkret in der Sache: Es ist sehr legitim, die Bandzusammenstellung zu kritisieren. Denn es gibt immer Ausflüchte: Es ist halt Klaases Band, das waren halt die Musiker des Senders, es haben sich ja keine Frauen beworben. Wahre Gründe, die aber nicht auf das Problem eingehen: Warum muss Klaas seine Männerband da hinstellen? Warum hat der Sender keine Musikerinnen? Warum hat die Stelle keine Frauen zur Bewerbung animiert? Deswegen finde ich die Kritik absolut gerechtfertigt.“

      Und auch das sehe ich anders. Und ich finde du wirfst hier Sachen durcheinander. Denn wenn es um die Besetzung einer Stelle geht, dann ist das was professionelles, berufliches. Die Zusammenstellung einer Band bzw. mit welcher Band ich als Künstler/Entertainer zusammenarbeite ist eben was künstlerisches und damit rein persönlich. Deswegen seh ich eben einen Unterschied, ob ProSieben nicht mal eine Latenight mit weiblichem Host hätte machen können und ob Klaas jetzt eine männliche Band hat mit der er Platten aufnimmt und seine Shows gestaltet.


      „Ist Kritik nur dann zulässig, wenn man gleich ein alternatives Sendungskonzept mit anhängt?“

      Nein, aber sie ist nicht konstruktiv. Klar kann man sagen, dass man etwas einfach scheiße findet und das ist zulässig, aber in welchem Kontext kommt man so weiter?


      „Und als Meta-Betrachtung: Das ist das Problem der Linken. Wir wollen Dinge ausdiskutieren, alle wollen was beigetragen haben, wir legen großen Wert darauf, die bis ins Detail korrekte Meinung zu haben und grenzen und scharf ab gegen die, die eine andere Auffassung zu dem Thema haben.“

      Das ist doch aber gerade das Problem an dem von mir kritisierten Feminismus. Also ich bin ja auch auf der Meta-Ebene und will eigentlich nicht über die Details der Bandzusammenstellung diskutieren, sondern sagen, dass solche Detaildiskussionen dazu führen, dass diese Lagerdenken innerhalb der Linken überhaupt erst entsteht.


      „Und gerade als Mann gilt: Zuhören, mitdenken und weiter zuhören.“

      Entsteht so nicht aber eine Bewegung in der sich alle Unterdrückten, egal ob Frauen, Ausländer, Behinderte, nur noch gegenseitig bestätigen und keine Anhaltspunkte mehr haben, ob ihre Herangehensweise und Argumentation in der restlichen Welt irgendwie greift? Das ist dann Schattenboxen und gewinnt man keinen Kampf.
    Uwe Trenkner: Hallo David,

    ich denke ähnlich wie Du, stimme wahrscheinlich mit 90% von dem, was Du geschrieben hast, überein. Und ich finde es gut, dass Du Deinen Mut (oder war es Naivität?) zusammengenommen hast und Dich mit Deiner Meinung in die Öffentlichkeit gewagt hast.

    Wo ich etwas den Kopf schüttele: Warum Du auf Twitter versuchst, mit Menschen eine sachliche Diskussion zu führen, die sehr offensichtlich nicht daran interessiert sind. Spätestens nach ein, zwei der genannten Antworten war eigentlich klar, dass dieser Austausch zu nix führt. Ich gebe zu: Das "Don't feed the Trolls" ist manchmal echt schwer zu beherzigen (ich wurde selbst vor kurzem in einer Diskussion um den neuen Code of Conduct in einem Opensource-Projekt von einem Teilnehmer mit Begriffen wie Stasi und Nord-Korea beschimpft... da hab ich mich dann zwingen müssen, nicht mehr zu antworten.. bin immer noch sehr stolz auf mich). Wobei mein Urteil "führt zu nix" nicht Deinem ersten Tweet gilt! Denn jenseits der unsachlichen Antworten gibt es sicher einige, die Deinen Hinweis gelesen haben und Dir zustimmen - ohne dies öffentlich zu tun.

    Ich kann verstehen, dass bei vielen Frauen das Misstrauen gegenüber Männern sehr tief sitzt. Ganz oft reden Männer über Chancengleichheit und ähnliches, verhalten sich dann aber nicht so. Trotzdem gebe ich Dir recht, dass es etliche - oftmals sehr lautstarke - Vertreterinnen des Feminismus gibt, die der Sache ansich mehr schaden als nützen.

    Das sollte uns aber nicht davon abhalten, selbst Stellung zu beziehen und in unserem Umfeld das zu tun, was für mehr Gleichberechtigung wichtig ist. Feminismus ist nämlich nicht nur eine Befreiung für Frauen, sondern sollte das auch für uns Mäner sein. Ich habe auch keine Lust auf die klassichen Geschlechterrollen!

    Schöne Grüße
    Uwe.