David Not Jacob

Ein Blog über Reisen,
Fotografie, Design und Persönliches
von David Jacob

Instagram, der Anfang vom Ende

Instagram. Unser aller Lieblingsapp. Oder etwa nicht? Nicht mehr?
Bis vor einigen Wochen hätte ich das ohne jeden Zweifel noch so unterschrieben, aber die Begeisterung schwindet mehr und mehr. Und das trotz der vielen durchaus gut gemachten und unterhaltsamen neuen Features. Ich habe das Gefühl, dass das Momentum gerade nicht nur bei mir etwas kippt. Und meine kleine Umfrage auf Instagram heute Vormittag zeigt, dass ich mit dieser Vermutung scheinbar nicht so ganz falsch liege.

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Und es ist ja nicht das erste Mal, denn einen ähnlichen Wendepunkt konnte man auch bei Facebook und Twitter bemerken. (Hat hier gerade jemand MySpace und SchuelerVZ gesagt?) Natürlich sind beide Netzwerke weit davon entfernt zuzumachen, aber wenn man sich in seinem Umfeld umhört, dann gibt es immer diesen Punkt, an dem sich der Grundtenor zu ändern scheint. Aus «Ich liebe Netzwerk X, man kann dort so super Y machen und Z finden» wird dann «Mmmmhjjaaaa, weiß auch nicht, ich bin nicht mehr so viel bei X, es ist zwar schon noch gut, aber mich stört mittlerweile Y und Z findet man auch nicht mehr so gut wie früher.». Und ich meine im Fall von Instagram kann man ganz gut an ein paar Punkten festmachen, warum die Begeisterung schwindet:

Entdecken und Entdecktwerden
Natürlich möchte man möglichst viele Menschen, die sich potenziell dafür interessieren, mit seinen Inhalten erreichen. Sonst bräuchte man seine Fotos, Videos, Texte, etc. ja gar nicht öffentlich teilen. Solange das nicht die einzige Motivation hinter der Nutzung eines sozialen Netzwerks wie Instagram ist, sehe ich das als nachvollziehbares Ziel. Die Frage ist daher natürlich wie man das schafft.

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Und was das angeht, finde ich Instagram wirklich miserabel. Das Einzige was dort wirklich passiert, ist das Accounts gepusht werden, die bereits eine riesige Anzahl an Followern haben. Ich habe gerade mal mein Discover Tab aufgemacht und keinen Post von einem Account gefunden, der nicht mindestens 50.000 Follower hat. Auch die anderen Wege auf denen das passieren soll, also z.B. die Discover Sektion von Orten oder Hashtags, lösen das Problem eher schlecht als recht, da sie nach meinem Eindruck einfach nicht so viel genutzt werden, als das sie einen spürbaren Effekt hätten. Außerdem muss man natürlich auch hierfür wiederum bereits eine große Reichweite haben, um dort gefeatured zu werden. Vor ein paar Wochen wurde getestet Posts im Feed anzuzeigen, die Freunde geliked hatten und das ist eigentlich ein total sinnvoller Ansatz finde ich. In letzter Zeit, habe ich das allerdings gar nicht mehr gesehen und ich fand auch die Umsetzung nicht otpimal. Genauso ist die Idee hinter dem Tab in den Neuigkeiten, das anzeigt was Freunde liken oder wem sie folgen eine gute Idee. Aber auch diese Umsetzung ist eher schwach, sodass es nach meiner Erfahrung wenig genutzt wird. Facebook und Twitter machen das deutlich besser, haben aber natürlich den Vorteil, dass Posts und Beiträge hier auch geteilt bzw. retweetet werden können, was das Entdecken und Entdecktwerden einfacher macht. Aber auch das Einbinden von Beiträgen, die anderen nur gefallen haben klappt dort besser.

Im Endeffekt wünsche ich mir ein Discover, das mir hilft andere wirklich relevante Nutzer zu finden und nicht nur aufgeblasene Influencer Accounts mit komplett durchgestylten Feeds oder Memeaccounts mit Growth Hacking Captions à la “You’re second emoji is your reaction”. Ich würde gern andere Nutzer entdecken, die neben ähnlichen Themen auch in etwa eine vergleichbare Anzahl von Followern haben. Und genauso würde ich natürlich selbst gern von anderen entdeckt werden. Die beste Methode gefunden zu werden, ist aktuell ja leider hunderten Leuten zu folgen und wieder zu entfolgen bzw. das einen Bot machen zu lassen. Und das kann es ja nun wirklich nicht sein.

Alle sind jetzt Instagrammer
Diese Zeiten als wir einfach alle gepostet haben worauf wir Lust hatten sind vorbei, kann das sein? Instagram war mal ein visuelles Tagebuch, ein Kanal, um unsere iPhone-Schnappschüsse mit Freunden zu teilen. Für richtige Fotos hatten die ambitionierteren Fotografen unter uns ja auch ohnehin ganz andere Plattformen, wie z.B. Flickr, 500px, eigene Blogs, etc. Mittlerweile ist aus dem iPhone only von früher allerdings DSLR only geworden und es muss schon ein mittelgroßes Fotoshooting her, damit ein Bild den Instagram Qualitätsstandards genügt. Und statt des Austauschs mit Freunden ist das Wichtigste mittlerweile, dass die Community möglichst rasant wächst und die Posts viel Engagement generieren. Am besten man schreibt eine Frage in die Caption, die die Follower zum Kommentieren anregt. 🙄 Und der Feed, UM GOTTES WILLEN DER FEED! Man würde ja gern ein Bild vom aktuellen Tag teilen, aber es passt nicht in den Feed, also postet man es lieber gar nicht.

Hotspot III by Mona Hatoum at @mdbkleipzig

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Ich erwische mich selbst des Öfteren dabei, wie ich über diese Dinge nachdenke, dabei sind sie doch echt Unsinn und eine Spaßbremse. Und es ist einfach so verdammt langweilig, dass mittlerweile alle Accounts gleich aussehen. Es gibt immer weniger authentisches, dafür aber ganz viel Pseudoprofessionelles. Und was ich hiermit eben nicht meine ist, dass ich es grundsätzlich schlimm finde die Plattform so zu nutzen. Ich verstehe warum es Influencer und Instagrammer gibt und sie haben ihre Berechtigung. Aber das jetzt so viele versuchen diesen Influencer-Stil zu emulieren hilft wirklich Niemandem.

Der verdammte unchronologische Feed/Algorithmus
Da muss man wirklich nicht viel zu sagen. Ich folge Menschen, deren Bilder ich mag und gern sehen würde, die ich aber nie angezeigt bekomme. Dafür ist mein Feed in letzter Zeit immer öfter voll mit 2-5 Tagen alten Fotos und Videos. Teilweise habe ich diese sogar schon gesehen oder noch absurder, sogar schon geliked. WARUM? Was das soll kann ich absolut nicht nachvollziehen und es verdirbt einem wirklich die Plattform. Und umgedreht spürt man die Anpassung des Algorithmus auch gerade wieder. Seit Ende Januar haben sich die Reichweite und Likes meiner Posts praktisch über Nacht halbiert. Es ist ja nicht das Wichtigste, aber wenn plötzlich ohne Grund nur noch die Hälfte der Menschen meine Inhalte sieht, dann steigert das natürlich nicht die Freude an der Plattform.

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Allerdings muss man auch festhalten, dass viele Nutzer von sich aus schon gar nicht mehr chronologisch posten, sondern der Look des Feeds der entscheidende Faktor dafür ist, wann die Zeit für ein Foto reif ist. Ich meine, dass das früher noch nicht so war. Wie ich anfangs schrieb, benutzten viele Instagram damals noch als eine Art visuelles Tagebuch mit ihren Handyfotos und ich trauere dem ehrlich gesagt nach. Das spielt natürlich wieder in die Themen Authentizität und Influencer-sein-wollen rein.

Nicht alles ist schlecht
Natürlich ist es das nicht. Instagram macht immer noch Spaß, es gibt unglaublich viele Kreative, die großartige Fotos und Videos posten, man bekommt mit was Freunde erleben und kann sich mit ihnen darüber austauschen, Stories sind ein richtig gutes Format und für Reisen ist Instagram kaum noch wegzudenken, wenn man tolle Orte entdecken möchte. Mein Gefühl ist aber, dass die Plattform ihren Zenit überschritten hat, was die Begeisterung ihrer Nutzer angeht. Manche spüren es vielleicht nur unterbewusst, andere sehen es gar nicht so, aber von vielen habe ich das in letzter Zeit gehört.

Mich würde bei diesem Post tatsächlich mal interessieren, wie ihr das seht. Also lasst es mich per Kommentar oder auch auf Facebook oder Twitter wissen.

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Veröffentlicht am 09. February 2018 in Design, Fotografie, Ich als Motiv, Kommunikationsdesign, Meinung, Persönlich   |  
    Joram: Ich stimme dir weitestgehend zu. Mir ist Reichweite zwar nicht so wichtig, mich nervt IG vor allem als Konsument. Wie Du schreibst, zeigt mir der Algorithmus immer weniger relevante Inhalte, oder, noch besser, zeigt sie für drei sekudnen, refresht dann, und zeigt irgendwas ganz andres.
    Ich benutze IG stories immer mehr, zum posten und zum gucken, einfach weil da alles choronologisch ist. Bei einem Tagebuchformat macht auch nix anderes Sinn, nur dass IG das anders sieht. Naja, ich hoffe, dass bald ein anderes, besseres Netzwerk kommt, mit chronologischer Timeline. Ich bin von Facebook zu twitter und jetzt zu instagram gesprungen, und es wird sicher nicht meine letzte Station sein, wenn es sich weiter so entwickelt.
    Joram: und btw: ich würde nen 5er im Monat zahlen, wenn IG nur choronologisch und ohne Werbung wäre. Die Werbung nervt extrem.
    4 Ideen für ein besseres Instagram Discover – David Not Jacob: […] meckert, muss auch was Besseres anbieten. Manchmal jedenfalls. Letzte Woche habe ich aufgeschrieben, was mir aktuell immer mehr die Freude an Instagram nimmt. Diese Woche habe ich mir ein wenig Zeit genommen und darüber nachgedacht, wie man zumindest einen, […]